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Scheibenbremsen-Tipps

verfaßt am 16. Januar 2013 von Thomas Etzlstorfer

Bei vielen der neueren Fahrräder, vor allem bei MTB's und Crossbikes, kommen heutzutage Scheibenbremsen zum Einsatz. Und das aus gutem Grund: Discbrakes haben gegenüber herkömmlicher Felgenbremsen einige entscheidende Vorteil, wie z.B. die gute Bremswirkung trotz Nässe und die längere Haltbarkeit der Beläge.

Allerdings darf auch nicht verschwiegen werden, daß die kompliziertere Technik einige Tücken hat und sowohl Handhabung als auch Reparaturen aufwändiger macht.

Wir haben hier einige einfache Tipps zusammengestellt, um teure Reparaturen zu vermeiden.

Einfahren

Bei neuen Fahrrädern oder nach dem Wechsel der Bremsbeläge und/oder Scheiben haben die Discbrakes noch nicht ihre volle Bremswirkung. Es dauert eine Weile bis sich die Beläge und Scheiben sozusagen "eingeschliffen" haben. Deshalb sollte man am Anfang die Bremse erst mal einfahren und nicht gleich die härteste Downhill-Strecke unter die Stollen nehmen ;-)

Reinigen

Wer sein Rad auch mal gerne abseits befestigter Wege und bei nassem Wetter bewegt, sollte die Bremszangen ab und zu vom Schmutz befreien. Offroad kann es schon mal passieren, daß der eine oder andere Schlammklumpen oder Kiesel zwischen die Bremszangen gerät und dann die Bremsklötze nicht mehr richtig lösen. Wer die Möglichkeit hat, kann die gröbsten Verunreinigungen einfach mit Druckluft vorsichtig "herausblasen". Keinesfalls sollte man die Bremsen mit einem Hochdruckreiniger (also mit Wasser) säubern: Der kräftige Strahl drückt dann meist kleine Mengen Wasser selbst in abgedichtete Lager oder auch in feinste Ritzen zwischen Bremskolben und Bremssattel, wo sich dann schnell Rost und Oxidation festsetzt.

Vorsicht mit Kettensprays

Bei den Bremsscheiben sollte man darauf achten, diese keinesfalls mit öligen Mitteln in Berührung zu bringen: Das führt zu stark verminderter Bremswirkung und meist zu extrem lautem Quitschen der Bremsen. Oftmals passiert das beim übermäßigen Ölen bzw. Einsprühen der Kette. Es reichen oft wenige Tröpfchen Kettenöl auf der Bremsscheibe und man kann in Zukunft getrost auf eine Glocke verzichten ;-). Dann hilft nur das gründliche Reinigen der Scheibe und in den meisten Fällen müssen die ölverschmierten Bremsklötze ersetzt werden.

Besonderheiten von Hydraulikbremsen

Die allermeisten Discbrakes werden nicht mit einem Seilzug (außer bei den günstigen Modellen) sondern hydraulisch betätigt. Dabei wird mit dem Bremshebel ein Kolben in einen Geberzylinder gedrückt, welcher dann Bremsflüssigkeit in die Bremsleitung und schließlich in den Bremssattel preßt. Dort werden dann von der Flüssigkeit (meist) zwei Bremskolben aus den Nehmerzylindern gegen die Bremsbeläge und diese wiederum gegen die Bremsscheibe gedrückt. Dabei darf sich in dem geschlossenen System nur Bremsflüssigkeit und keinesfalls Luftblasen befinden. Luft würde sich komprimieren lassen, was zu einem "schwammigen" Druckpunkt und verminderter Bremsleistung führen würde.

Deshalb muß z.B. nach dem Wechsel der Bremsflüssigkeit oder einer Bremsleitung das Bremssystem immer entlüftet werden!

Außerdem verwenden die verschiedenen Hersteller unterschiedliche Bremsflüssigkeiten (spezielles Minaralöl oder DOT). Wichtig ist, daß eine Bremsanlage niemals mit der falschen Flüssigkeit befüllt werden darf, da dadurch die Leitungen und Dichtungen angegriffen werden können!

Verschleiß kontrollieren

Obwohl Scheibenbremsbeläge normalerweise relativ lange halten, sind sie dennoch nicht verschleißfrei. Gerade weil die Wechselintervalle nicht so häufig sind und die meisten Discbrakes auch mit intakten Bremsbelägen nicht vollig geräuschlos arbeiten, bemerken viele Fahrer zu spät, wenn die Beläge verschlissen und bis auf die Eisen-Trägerplatte abgenützt sind. Dann wird meist auch die relativ teure Bremsscheibe beschädigt und muß getauscht werden.

Deshalb ist es ratsam, die Dicke der Bremsbeläge und auch die Stärke der Scheibe regelmäßig zu kontrollieren und ggf. rechtzeitig auszutauschen.

Aus- und Einbau der Laufräder

Mit dem Ausbau eines Laufrades wird gezwungenermassen auch die Bremsscheibe zwischen den Bremsklötzen entfernt. Wird nun der Bremshebel betätigt, werden die Bremskolben ungehindert zusammengedrückt und der Spalt zwischen den beiden Belägen verringert sich. Möchte man nun das Laufrad wieder einbauen, paßt die Scheibe nicht mehr zwischen die zwei Bremsklötze.

Normalerweise lassen sich die Bremskolben mit einem breiten Schraubenzieher vorsichtig wieder soweit zurückdrücken, bis die Scheibe wieder in den Spalt paßt. Man muß dabei aber darauf achten, die Bremsbeläge nicht zu beschädigen!

Im schlimmsten Fall, z.B. beim mehrmaligen betätigen des Bremshebels, werden die Bremskolben so weit aus den Zylindern gedrückt und das die Bremsflüssigkeit ausläuft.

Um diese Probleme zu vermeiden, sollte man beim Transport mit ausgebautem Laufrad desshalb eine Transportsicherung zwischen die Bremsbeläge stecken, die sozusagen Anstelle der Bremsscheibe montiert wird. Diese Sicherungen sind einfach kleine Kunststoffplättchen, welche in etwa die Stärke einer Bremsscheibe haben. Normalerweise werden diese beim Kauf eines Neurades mit ausgeliefert. Ansonsten kann auch ein beliebiges Holz- oder Kunststoffplättchen in der passenden Stärke verwendet werden (am besten mit einem Gummiring im Bremssattel fixieren).

Griffweite einstellen

Die meisten hydraulischen Scheibenbremshebel erlauben es, die Griffweite einzustellen. Diese Möglichkeit sollte man auch nutzen um die Bremse optimal bedienen zu können.

Manchmal sind die Bremshebel zu weit eingestellt, sodaß Fahrer mit kleinen Händen den Hebel nur schwer erreichen können. Andererseits kann es passieren, daß der Hebel so eng eingestellt ist, daß beim Betätigen der Bremse mit zwei oder einem Finger die restlichen Finger zwischen Lenker und Bremshebel eingeklemmt werden.

Fazit

Beachtet man einige Grundregeln, sind moderne Scheibenbremsen eigentlich recht problemlos und wartungsarm. Dennoch sind diese Bremsen nicht das Wundermittel für Alles und Jeden.

Klare Vorteile sind die unempfindlichkeit gegenüber Witterungseinflüssen und die längere Haltbarkeit der Bremsbeläge. Außerdem entfällt der Verschleiß der Felgen (gegenüber z.B. einer V-Brake). Auch ein leichter Achter im Laufrad beeinträchtigt die Bremsleistung von Scheibenbremsen nicht.

Als Nachteile wären zunächst die höheren Kosten sowie das höhere Gewicht zu nennen. Außerdem sind Reparaturen in der Regel teuerer und oft auch aufwändiger als bei herkömmlichen Felgenbremsen.

Letztendlich entscheidet, wie so oft, der Einsatzzweck und natürlich auch der persönliche Geschmack des Fahrers.

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