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E-Bike Ratgeber für Einsteiger

verfaßt am 15. Februar 2014 von Thomas Etzlstorfer

Ein großer Teil der E-Bike Interessenten sind Senioren und körperlich weniger leistungsfähige Personen, die sich von den elektrisch unterstützten Fahrrädern einen Gewinn an Mobilität und neue Freude am Radfahren erhoffen. Leider ist gerade diese Zielgruppe oft mit den vielen technischen Fakten und Marketing-Schlagwörtern im E-Bike-Sektor völlig überfordert.

Ich möchte in diesem kurzen Artikel einige grundlegende, praktische Fragen beantworten und einen möglichst klaren und objektiven Überblick geben.

Was ist ein E-Bike und was ein Pedalec?

Wenn umgangssprachlich von einem "E-Bike" die Rede ist, wird streng genommen meist ein "Pedalec" gemeint. Das bedeutet, daß der Elektromotor nur unterstützend eingreift, sobald in die Pedale getreten wird. Es gibt also im Gegensatz zu einem Moped keinen Gasgriff, der gedreht werden muß und das Rad setzt sich selbstständig in Bewegung.

Wie stark der Motor sein darf (max. 250W Dauerleistung) und bis zu welcher Geschwindigkeit der Motor den Fahrer unterstützen darf (bis max. 25 km/h), ist gesetzlich geregelt. Durch diese Beschränkungen gilt ein Pedalec als zulassungs- und führerscheinfreies Fahrrad und muß nicht Haftpflichtversichert werden und unterliegen auch keiner Helmpflicht.

Wie weit komme ich mit einer Akkuladung?

Die Reichweite mit einem voll geladenen Akku hängt von sehr vielen Faktoren ab:

  • Akku-Kapazität: Die Kapazität (Wattstunden) des Akkus gibt an, wieviel Strom der Akku speichern kann. Im Vergleich mit einem Auto würde die Kapazität also der Größe des Tanks entsprechen.
  • Effizienz des Motors: Wie effizient der Motor den vom Akku gelieferten Strom umsetzt, ist ebenfalls sehr wichtig: Ein Auto mit hohem Benzinverbrauch wird mit dem selben Tankinhalt weniger Kilometer zurücklegen als ein verbrauchsarmes Auto. Leider kann die Effizienz eines E-Bikemotors an keinem Wert abgelesen werden. Einzig die herstellerseitige Angabe zur maximalen Reichweite kann als Indiz herangezogen werden.
  • Steigung der Strecke: Wird mit dem E-Bike eine bergige Tour mit langen Anstiegen gefahren, verringert sich die Reichweite natürlich entsprechend, da der Motor kräftig "mithelfen" muß.
  • Diverse andere Faktoren: Hinzu kommen noch vielfältige andere Faktoren wie die Außentemparatur, Reifendruck, Gegenwind, das Gewicht des Fahrers, das Schaltverhalten des Fahrers, usw.
Ladestand-Anzeige direkt am Akku

Mit etwas gesunder Skepsis kann man sich jedoch an den Reichweitenangaben der Hersteller grob orientieren. Die Angaben werden meist unter optimalen Bedingungen gemessen: Flache Strecke, kein Gegenwind, Fahrergewicht unter 70kg, niedrigste Unterstützungsstufe.

Liegt die Reichweitenangabe also z.B. bei 170 km, so sollten selbst bei sehr steilen Strecken zumindest 20 - 30 km möglich sein. Außerdem lernt man mit der Zeit sein E-Bike und auch das eigene Fahrverhalten besser kennen und kann immer genauer abschätzen, ob eine Tour mit einer Akkuladung möglich ist oder nicht.

Wie und wo kann ich den Akku laden?

Herausnehmen des Akkus

Normalerweise wird ein entsprechendes Ladegerät mitgeliefert. Damit kann der Akku an jeder 220V Steckdose geladen werden.

Ob der Akku zum Laden aus dem Fahrrad entfernt werden muß, hängt vom jeweiligen System ab. Allerdings empfiehlt es sich sowieso, den Akku an einem warmen Platz zu laden, da bei niedrigen Temparaturen (z.B. in der kalten Garage) der Akku nicht optimal geladen wird und man somit Reichweite verschenkt.

Wie lange dauert das Laden?

Je nach Ladegerät und Kapazität des Akkus dauert eine vollständige Ladung (100% Ladezustand) ca. 4 bis 8 Stunden.

Das Laden des Akkus an sogenannten E-Bike Ladestationen ist damit in der Praxis meist nicht sinnvoll möglich, weil erstens das Ladegerät mitgeführt werden muß und man für eine (zumindest teilweise) Ladung doch mehrere Stunden neben dem Bike warten muß (schließlich soll das Radl samt Ladegerät während des Ladevorgangs nicht ungewollt den Besitzer wechseln...).

Welche Lebensdauer hat ein Akku?

Die meisten Akkus haben eine Lebensdauer von 500 bis 800 Ladezyklen. Allerdings nimmt die Kapazität mit der Zeit stetig ab. Wieviele Jahre ein Akku hält ist somit schwer zu sagen. Auch die Pflege des Akkus spielt dabei eine Rolle: So sollte der Akku auch im Winter, wenn das Rad nicht verwendet wird, ab und zu geladen werden.

Natürlich läßt sich bei einem E-Bike der Akku auswechseln, allerdings liegen die Preise je nach Modell zwischen 400 und 800 Euro. Ob der Austausch bei einem in die Jahre gekommenen E-Bike überhaupt lohnt, ist somit fraglich, zumal mittlerweile sicherlich Modelle mit weitaus besseren Akkus und Antrieben erhältlich sind.

Wie schwer ist ein E-Bike?

Ein durchschnittliches E-Bike wiegt ca. 25 kg und ist somit deutlich schwerer als z.B. ein normales Stadtrad mit ca. 15 kg. Natürlich gibt es auch bei E-Bikes Gewichtsunterschiede, je nach Ausstattung, Akku und Antrieb. Dennoch ist der Unterschied zu einem normalen Fahrrad selbst bei den leichtesten Sport E-Bikes immer noch deutlich spürbar.

Wo sollte ich mein E-Bike parken?

Das hohe Gewicht der E-Bikes setzt normalerweise eine ebenerdige Garage oder Parkplatz voraus. Ebenso sollte der Stellplatz zumindest überdacht sein, um die Elektronik zu schonen. Eine Steckdose ist normalerweise nicht zwingend erforderlich, da der Akku einfach in die Wohnung mitgenommen und dort geladen werden kann. Im Idealfall sollte der Parkplatz auch versperrbar und nicht öffentlich zugänglich sein, schließlich könnte das teure Radl ansonsten den einen oder anderen Langfinger anlocken ;-)

Welche Antriebssysteme gibt es?

Mittlerweile buhlen unzählige Hersteller von Antrieben um die Gunst der Käufer. Die wohl bekanntesten drei Marken sind Bosch, Panasonic und BionX.

  • Frontmotor

    Bei günstigen E-Bikes wird meist ein Frontantrieb in Form eines Nabenmotors im Vorderrad verwendet. Diese Art des Antriebs läßt sich sehr einfach realisieren, hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Bei nassem, glatten oder losem Untergrund kann das Vorderrad durchdrehen und bringt dem Fahrer leicht aus dem Gleichgewicht. Gleiches gilt beim Anfahren am Berg.

    Auch der Aus- und Einbau des Vorderrades gestaltet sich meist umständlich, da die Verkabelung vom Motor getrennt werden muß. Ebenso muß auf einen Nabendynamo verzichtet werden.

  • Mittelmotor

    Wie der Name schon sagt befindet sich bei dieser Variante der Motor in der Mitte des Rahmens, also im Bereich des Tretlagers. Dieser Antrieb bietet eine besonders gleichmäßige Verteilung des Gewichts, wodurch das Fahrgefühl dem eines normalen Fahrrades am ähnlichsten ist.

    in Mittelmotor läßt sich sowohl mit einer Ketten- als auch mit einer Nabenschaltung kombinieren. Allerdings muß bei einer Kettenschaltung auf die vorderen drei Kettenblätter verzichtet werden, da sich hier der Antrieb befindet. Dadurch sind maximal 10 Gänge möglich.

    Außerdem gibt es bei diesem Antrieb mittlerweile Modelle mit Rücktrittbremse, was vor allem Fahrern, die eine Rücktrittbremse gewöhnt sind, eine große Erleichterung sein dürfte.

    KTM stattet vor allem komfortbetonte Tourenräder mit Mittelmotoren von Panasonic und Bosch aus.

  • Heckmotor

    Beim Heckantrieb sorgt ein Nabenmotor im Hinterrad für Vortrieb. Diese Variante wird meist bei sportlichen E-Bikes verwendet, da es hier möglich ist, eine vollwertige Kettenschaltung mit bis zu 30 Gängen zu verwenden.

    Da sich der Nabenmotor auch dann mitdreht, wenn der Fahrer nicht in die Pedale tritt, ist beim Heckmotor beim Bergabfahren auch eine Stromrückgewinnung (Rekuperation), also das Laden des Akkus durch den Motor möglich. Allerdings darf man sich davon keine Wunder erwarten. Bei bergigen Strecken kann dadurch dennoch die Reichweite etwas vergrößert werden.

    Ein Nachteil ist der aufwändigere Ausbau des Hinterrades z.B. bei einem Platten, weil die Kabel des Antriebs (wie beim Frontmotor) in die Nabe führen.

    KTM bietet seit 2014 nur noch Modelle mit dem sehr kompakten und effizienten Panasonic-Nabenmotor an. Bis 2013 gab es auch Modelle mit BionX-Nabenmotor.

Wie kompliziert ist die Bedienung?

Ich würde sagen, wer es schafft, einen Taschenrechner zu bedienen, dürfte auch mit einem E-Bike keine Probleme haben. Aber natürlich gibt es auch hier Unterschiede z.B. in der Übersichtlichkeit und Einfachheit der Bedienelemente und der Anzeigen.

Display (Panasonic)

Wie bereits erwähnt kann über die Bedieneinheit der Grad der Unterstützung gewählt werden. Weiters wird der aktuelle Ladezustand des Akkus und die errechnete, verbleibende Reichweite am Display angezeigt.

Die meisten Anzeigen verfügen zusätzlich noch über Funktionen, die von klassischen Fahrrad-Computern bekannt sein dürften, wie z.B. die aktuelle Geschwindigkeit, die Gesamt- und Tageskilometer, usw. Allerdings sind die Anzeigen meist größer und übersichtlicher als bei den kleinen Fahrrad-Computern und daher oft einfacher zu bedienen. Zudem zeigen viele E-Bike-Displays ihre Daten in deutscher Sprache an.

Wieviel kostet ein E-Bike?

KTM Amparo mit Panasonic Mittelmotor und Rücktrittbremse

Vernünftige E-Bikes, egal welcher Marke, bekommt man normalerweise ab ca. 2.000 Euro.

Von Billig-Produkten diverser Discounter kann ich nur abraten: Zu Schleuder-Preisen von unter 1000 Euro läßt sich einfach kein zufriedenstellend funktionierendes E-Bike produzieren.

Wo gibt es weitere Informationen?

KTM eCross 2014 mit Panasonic Nabenmotor

Wer sich für E-Bikes von KTM interessiert, sollte mal einen Blick auf deren Website (KTM E-Bikes) werfen. Dort kann man sich im Detail über die einzelnen Modelle informieren.

Es würde uns natürlich besonders freuen, wenn Sie einfach mal persönlich bei uns vorbeischauen. Wir werden Sie gerne beraten und uns bemühen alle Ihre Fragen zu dem doch recht umfangreichen Thema E-Bike zu beantworten.

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