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Finger weg!

verfaßt am 29. Mai 2013 von Thomas Etzlstorfer

Es läßt sich nicht leugnen, daß der Fahrraddiebstahl in den letzten Jahren, vor allem in der Stadt immer mehr zunimmt. Beinahe täglich berichten mir Kunden, daß deren Fahrrad gestohlen oder Teile einfach abmontiert und entwendet wurden.

Leider gibt es keinen 100%-igen Schutz gegen Diebstahl und Vandalismus, vor allem wenn man das Fahrrad öfter an öffentlichen Plätzen abstellen muß. Dennoch ist man nicht ganz hilflos und man kann den Langfingern ihre "Arbeit" doch erheblich erschweren.

Da ich auch selber für die tägliche Fahrt zur Arbeit das Fahrrad verwende und aus praktischen Gründen nicht im Keller sondern im Innenhof parke, bin auch ich schon mal kopfschüttelnd vor meinem Fahrrad gestanden und habe mich gefragt, wem ich da jetzt unfreiwillig meinen schönen neuen Gel-Stattel gespendet habe.

Eigentlich hätte ich es ja besser wissen müssen und einfach den Schnellspanner an der Sattelstütze zumindest durch eine Schraube ersetzen können. Solche kleinen Maßnahmen reichen oft schon, um zumindest Gelegenheitsdiebe an ihrem Tun zu hindern.

Ich möchte hier einfach ein paar Tipps geben, die sich im Alltag bewährt haben und vielleicht dem einen oder anderen City-Radler hilfreich sein könnten.

Absperren

Das beste Schloß nützt natürlich wenig, wenn man es nicht verwendet. Man sollte es sich wirklich zur Gewohnheit machen, sein Fahrrad immer abzusperren, selbst wenn man nur mal 5 Minuten in ein Geschäft geht oder kurz was in der Wohnung vergessen hat.

Wichtig dabei ist natürlich, daß das Absperrschloß einfach und unkompliziert zu handhaben ist. Praktisch sind für solche Fälle Rahmenschlösser, die fix am Fahrrad montiert sind und einfach mit einem Handgriff verriegelt werden können. Allerdings kann ein Dieb das Fahrrad dann immer noch wegtragen bzw. in ein Auto verladen.

Deshalb ist es ratsam, das Rad mit einem Kabel- oder Kettenschloß z.B. an einem Fahrradständer oder sonst einem fest montierten Gegenstand zu ketten. Allerdings ist die Möglichkeit dazu nicht immer gegeben.

Beim Abschließen sollte man auch unbedingt darauf achten, das Fahrrad nicht nur z.B. am Vorderrad zu fixieren, sondern immer auch den Rahmen mit absperren. Oft wird dann nämlich einfach das Vorderrad abmontiert und samt Schloß an Ort und Stelle liegen gelassen, der Rest des Rades ist dann allerdings weg.

Auch die Qualität des Absperrschlosses spielt eine große Rolle. Ein Schloß, welches mit einem einfachen Seitenschneider in Sekundenschnelle durchtrennt werden kann, schreckt die meisten Diebe kaum ab. Natürlich können selbst teure Schlösser geknackt werden, entscheidend ist aber, wie lange ein Dieb braucht, bis er mit seiner Beute von dannen ziehen kann.

Welches Schloß man bevorzugt hängt natürlich auch von den persönlichen Vorlieben ab. Manchen ist es einfach zu umständlich, ein zwar sehr gutes, aber eben auch relativ sperriges und schweres Bügelschloss ständig mit sich zu führen. Anderen ist das wiederum egal und sie schätzen die abschreckende Wirkung eines massiven Schlosses.

Wenn man bereit ist, in ein gutes Schloß etwas Geld zu investieren, findet man aber in jeder Kategorie, sei es nun ein Kabel-, Ketten-, Bügel-, Panzer- oder Faltschloß vernünftige und sichere Produkte für jeden Geschmack. Denn wie gesagt: Ein Schloß hilft nur, wenn man es auch verwendet ;-)

Abstellplatz

Manche Orte sind geradezu berüchtigt dafür, daß sie Fahrraddiebe regelrecht anlocken: In Linz ist das z.B. der Hauptbahnhof oder im Sommer der Abstellplatz des Parkbades. Dort stehen meist so viele Räder, daß ein Dieb in Ruhe ein Schloß knacken kann, ohne dabei aufsehen zu erregen. Außerdem kann er dann aus einem reichlichen Angebot auswählen und vielleicht auch gleich mehrfach Beute machen.

Muß man sein Fahrrad an solch einem Ort abstellen, sollte man sich vielleicht überlegen, das Radl ein paar Straßen entfernt abzustellen und ein paar Meter zu Fuß zu gehen.

Schnellspanner

Schnellspanner mit Kabelbinder fixiert
Quick- & Dirty

Sattel- und Laufradschnellspanner sind eigentlich eine praktische Erfindung. Allerdings sind sie vor allem für Langfinger ebenso praktisch. Mit einem Handgriff ist der Verschluß geöffnet und das Laufrad oder der Sattel samt Sattelstütze entwendet.

Sattelschnellspanner lassen sich meist problemlos durch Sattelschellen mit einer Schraube ersetzen. Dann muß der Dieb zumindest das passende Werkzeug parat haben, um an das begehrte Diebesgut zu gelangen.

diebstahlsicherer Schnellspanner
diebstahlsicherer Schnellspanner

Bei Laufradschnellspannern ist die Sache schon etwas komplizierter, da sich die kurze Hohlachse nicht so ohne weiteres durch eine Vollachse samt Muttern ersetzen läßt. Eine einfache und billige Lösung ist es, den Hebel des Schnellspanners mit einem starken Kabelbinder am Rahmen zu Befestigen: So benötigt der Dieb zumindest einen Seitenschneider oder ein Messer um den Hebel öffnen zu können.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann alle Schnellspanner durch diebstahlsichere Varianten ersetzen: Bei diesen Ausführungen benötigt man einen Spezial-Schlüssel sie zu öffnen. Allerdings muß man dann auch z.B. bei Reifenpannen den passenden Spezial-Schlüssel immer zur Hand haben. Ansonsten kann man dann auch selber das Laufrad nicht mehr ausbauen!

Rahmennummer

Ist dann doch der Fall der Fälle einmal eingetreten und das geliebte Radl ist futsch, sollte man den Diebstahl bei der Polizei anzeigen. Wichtig ist dabei vor allem die Rechnung für das Fahrrad aufzuheben. Auf dieser sollte neben Ihrem Namen auch immer die Rahmennummer des Bikes notiert sein. Da ein jedes Fahrrad (zumindest ein jedes Markenrad) vom Hersteller mit einer weltweit eindeutigen, im Rahmen eingravierten Identifikationsnummer versehen ist, können Sie sich so als Eigentümer des Fahrrades ausweisen.

Auch beim Kauf eines Gebrauchtrades sollte man darauf achten, daß die Rahmennummer auf der Rechnung bzw. beim Privatkauf in einem Kaufvertrag vermerkt ist.

Mancherorts wird auch noch das so genannte "Codieren", also das versehen des Fahrrades mit einer zusätzlichen Codenummer und der damit verbundenen Registrierung des Fahrrades, z.B. durch die Polizei oder auch durch Firmen angeboten. Fraglich ist dabei allerdings, ob im Falle eines Diebstahls tatsächlich nach einem Fahrrad mit der entsprechenden Nummer "gefahndet" werden kann. Angesichts der Menge an gestohlenen Fahrrädern wäre das wohl kaum mit vertretbarem Aufwand zu bewerkstelligen. Außerdem werden die so registrierten Fahrräder beim Verkauf durch den Besitzer meist nicht auf den neuen Eigentümer "umgemeldet". So sind ältere Fahrräder oft immer noch auf den ursprunglichen Besitzer gemeldet, obwohl das Rad diesen bereits mehrmals rechtmäßig gewechselt hat.

Versicherung

Wird ein Fahrrad aus dem privaten Kellerabteil gestohlen, ist der entstandene Schaden meist durch die Haushaltsversicherung gedeckt. Für den Diebstahl außerhalb des Hauses gibt es meist spezielle Diebstahlversicherungen. Diese lohnen sich allerdings erst bei teureren Rädern.

Am günstigsten ist es meist, eine bestehende Versicherung durch eine Zusatzoption zu erweitern. Auch Fahrrad- oder Autofahrerclubs bieten oft eigene Fahrradversicherungen an. Bei der Fülle an Angeboten lohnt sich in jedem Fall der Vergleich. Allerdings ist das manchmal nicht ganz einfach, weil sich nicht nur die Höhe der Prämien, sondern auch die gebotenen Leistungen und Bedingungen für die Auszahlung der Versicherungssumme oft erheblich unterscheiden.

Am besten läßt man sich vom Versicherungsvertreter seines Vertrauens ausführlich beraten und entscheidet dann, ob sich eine spezielle Diebstahlversicherung lohnt.

Zweitrad für die Stadt

Viele leidgeprüfte Diebstahlsopfer suchen als letzten Ausweg einfach nach einem alten, billigen Zweitrad, welches zwar für kurze Strecken in der Stadt ausreicht, aber für Diebe nicht mehr attraktiv ist. Dabei sollte man aber dennoch auf die Verkehrstauglichkeit des Drahtesels achten. Zumindest die vorschriftsmäßige Ausrüstung mit den entsprechenden Reflektoren, einer Glocke und funktionstüchtigen Bremsen sollten auch an einem alten "Bahnhofsradl" vorhanden sein. Auf Luxus, wie eine perfekte Schaltung, Federgabel oder gar Scheibenbremsen kann man bei solchen Alltagsbikes allerdings gut verzichten. Nicht selten sind für diesen Einsatzzweck alte Puch- oder KTM-Dreigangräder oder auch das klassische alte Waffenrad das Mittel der Wahl.

Fazit

Auch wenn einem die Angst vorm Diebstahl des geliebten Zweirades manchmal daran zweifeln läßt, bin ich dennoch der festen Überzeugung, daß man sich den Spaß am Radfahren im Alltag nicht nehmen lassen sollte. Und ich denke, ich bin nicht der Einzige, der auf die Vorteile des Fahrrades in der Stadt niemals verzichten würde!

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