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Richtig schalten

verfaßt am 22. April 2011 von Thomas Etzlstorfer

Oftmals stelle ich fest, das viele Radler zwar Bikes mit teuren Kettenschaltungen haben, aber eigentlich gar nicht wissen, wie sie diese richtig bedienen und einsetzen sollen.

Zwar wird beim Kauf eines Fahrrades meist erklärt (zumindest sollte es so sein) wie geschaltet wird, doch in der Aufregung wird dann häufig vieles wieder vergessen.

Ich möchte in diesem (hoffentlich nicht all zu langen) Artikel die Grundlagen erklären.

Die meisten Fahrräder mit Kettenschaltung haben heutzutage eine geradezu erschlagende Auswahl an Gängen (21, 24, ... bis zu 30 Gänge). Ich möchte hier einfach mal eine 27-Gang Schaltung als Beispiel nehmen, da die Bedienung, auch bei noch mehr Gängen, prinzipiell gleich ist.

Geschickt kombiniert

3-fach Kettenblatt

Wie kommt man eigentlich auf diese merkwürdig ungerade Zahl von 27 möglichen Gängen? Nun, an der rechten Tretkurbel unseres Fahrrades sind 3 unterschiedlich große Kettenblätter montiert. Und am Hinterrad befindet sich ein Zahnkranz mit 9 ebenfalls verschieden großen Zahnrädern.

Mit Hilfe des vorderen Kettenwerfers und des hinteren Schaltwerks läßt sich die Kette auf jedes dieser Zahnräder legen und somit die 3 vorderen mit den 9 hinteren Zahnrädern kombinieren: 3 mal 9 ergibt theoretisch 27 unterschiedliche Übersetzungen.

Aber warum nur theoretisch 27 Gänge? Nun, erstens ergeben sich bei diesen 27 Kombinationen vom Übersetzungsverhältnis her überschneidungen (einige Gänge sind so zusagen "doppelt" vorhanden). Zweitens sind rein mechanisch nicht alle vorderen mit allen hinteren Zahnrädern kombinierbar. Aber dazu gleich mehr.

Welcher Gang ist der "Richtige"?

Schalthebel mit Schaltanzeige
Schalthebel mit Ganganzeige

Zum Glück sind moderne Schaltungen fast immer mit einer Ganganzeige ausgestattet, so daß sich der aktuell eingelegte Gang mit einem Blick erkennen läßt. Generell bedeutet eine niedrigere Zahl auf der Ganganzeige eine niedriger (leichtere) Übersetzung, eine höhere Zahl eine höhere (schwerere) Übersetzung.

Je niedriger der Gang, desto schneller muß man treten, dafür sinkt der Tretwiderstand. Hat man z.B. Probleme eine Steigung zu überwinden, schaltet man so lange auf den nächst-niedrigeren Gang, bis der Tretwiderstand zu bewältigen ist.

Je höher ein Gang, desto langsamer muß man treten, dafürt steigt jedoch der Tretwiderstand. Muß man z.B. beim Bergab-Fahren zu schnell treten, schaltet man so lange auf den nächst-höheren Gang, bis eine angenehme Trittfrequenz erreicht ist.

Funktionsweise der Schalthebel

Aber wozu dienen nun die zwei Schalthebel bzw. Drehgriffe auf der linken und rechten Seite des Lenkers? Mit dem linken Hebel wird der Kettenwerfer bedient, welcher die vorderen 3 Kettenblätter schaltet. Der rechte Hebel steuert das hintere Schaltwerk, welcher für die hinteren 9 Zahnkränze zuständig ist.

Wie Sie sicherlich schon bemerkt haben, ist der Größenunterschied der 3 vorderen Kettenblätter erheblich größer als der Unterschied der hinteren einzelnen 9 Zahnräder zueinander. Das bedeutet, daß beim Schalten mit dem vorderen Schaltwerk die Kette immer eine größere Distanz zum nächsten Kettenblatt überwinden muß, als sie dies beim Schalten mit dem hinteren Schaltwerk tut. Das heißt das ein Schaltvorgang mit dem vorderen Kettenwerfer (linker Hebel am Lenker) immer länger dauert und "aufwändiger" ist, als ein Schaltvorgang mit dem hinteren Schaltwerk (rechter Hebel).

Deshalb wird mit dem vorderen Kettenwerfer zuerst eine grobe Vorauswahl getroffen und dann mit dem hinteren Schaltwerk sozusagen die Übersetzung "fein justiert".

Meist ist es so, daß vor einem Berg vorne auf das kleinste Kettenblatt (1. Gang am linken Schalthebel) geschaltet wird und dann Hinten, je nach Steigung, ein passender Gang (z.B. 3. Gang am rechten Schalthebel) eingelegt wird.

Auf Ebenen Strecken oder leichten Steigungen wird häufig vorne auf das mittlere Kettenblatt geschaltet (2. Gang am linken Schalthebel) und erst bei sehr zügiger Fahrt oder bergab wird vorne auf das große Kettenblatt (3. Gang am linken Schalthebel) geschaltet.

Anzeige am linken Hebel: 1.Gang 2.Gang 3.Gang
Kettenblatt vorne: kleinstes Kettenblatt mittleres Kettenblatt großes Kettenblatt
Geeignet für: fahren am Berg ebene Strecken zügige Fahrt, bergab

Auf die Kettenflucht achten

schlechte Kettenflucht
schlechte Kettenflucht

Möchte man sein Rad (und letztendlich natürlich auch den Geldbeutel) schonen, sollte man es vermeiden, die Kette "über kreuz" laufen zu lassen: Wählt man z.B. vorne das kleinste Kettenblatt (1. Gang am linken Hebel) und hinten ebenfalls das kleinste Zahnrad (9. Gang am rechten Hebel), so läuft die Kette nicht mehr in der Flucht sondern von ganz vorne innen nach hinten außen. Das selbe passiert, wenn man vorne das größte Kettenblatt (3. Gang am linken Hebel) und hinten ebenfalls das größte Zahnrad wählt. Dann läuft die Kette von vorne außen nach hinten innen, also wieder über kreuz.

Läuft die Kette zu stark über kreuz, schleift sie meist am vorderen Kettenwerfer und verursacht dadurch unangenehme Geräusche. Außerdem muß sich die Kette dabei ziemlich stark seitlich verwinden, was zu einer zusätzlichen Belastung für das Material wird. Auch die Kettenspannung ist dabei nicht ideal: Von groß-auf-groß spannt die Kette sehr stark und das Schaltwerk wird voll durchgestreckt. Von klein-auf-klein hängt die Kette fast durch.

Deshalb sollte man mit dem kleinsten Kettenblatt (1. Gang am linken Hebel) nur die ersten paar Gänge (1. bis 6. Gang am rechten Hebel) hinten benutzen. Umgekehrt sollten mit dem großen Kettenblatt (3. Gang am linken Hebel) nur die letzten hinteren Gänge (5. bis 9.Gang am rechten Hebel) kombiniert werden. Mit dem mittleren Kettenblatt können hinten alle Gänge geschaltet werden.

Sanft schalten - Material schonen

Eines ist klar: Eine Kettenschaltung kann nur funktionieren, wenn der Fahrer während des Schaltvorgangs in die Pedale tritt. Allerdings sollte während des Schaltens der Druck auf die Pedale reduziert und nur leicht mitgetreten werden bis die Kette sauber in den Zahnkränzen eingelegt ist.

Ein Schalten unter starker Belastung (z.B. bei Steigungen) führt meist zu starkem Knarren oder im Extremfall sogar zum Reißen der Kette. Das kann vermieden werden, in dem man vor dem Schaltvorgang etwas Schwung holt, dann unter leichter Belastung schaltet und erst danach wieder kräftig in die Pedale tritt.

Fazit

Zweifelsohne ist z.B. der Umstieg von einer Nabenschaltung auf eine Kettenschaltung mit einem gewissen Lernaufwand verbunden. Doch sollte man sich im klaren sein das eine Kettenschaltung mit z.B. 24 oder mehr Gänge nicht unerhebliche Vorteile bietet: Eine enorme Übersetzungsbreite verbunden mit einer meist feineren Abstufung der Gäng. Außerdem sind Kettenschaltungen meist leichter und erzeugen weniger Reibungswiderstand beim Treten.

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