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KTM Firmengeschichte

verfaßt am 13. April 2014 von Thomas Etzlstorfer

Seit 1964 das erste KTM-Fahrrad das Licht der Welt erblickte werden im Werk in Mattighofen Fahrräder produziert.

Ich möchte das 50-jährige Firmenjubiläum zum Anlaß nehmen und der langen und durchaus turbulenten Firmengeschichte des österreichischen Fahrrad-Herstellers einen kleinen Artikel widmen.

Wie alles begann

Bereits 1934 gründete der 1909 in Altheim im Innviertel geborene Hans Trunkenpolz am Marktplatz von Mattighofen, im ehemaligen Gasthaus "Zum schwarzen Adler" eine Schlosserwerkstätte.

Noch vor dem Krieg begann er mit dem Verkauf von DKW-Motorrädern und Opel-Automobilen. Der Betrieb wurde zu einer der größten Reparaturwerkstätten Oberösterreichs.

1940 wurde Hans Trunkenpolz schließlich zur Wehrmacht einberufen und bis zu seiner Rückkehr 1943 führte seine zweite Frau Elisabeth den Betrieb weiter. Die Firma erhielt nun den Auftrag für die Wehrmacht LKW's und Dieselmotoren instand zu setzen.

1944 wurde die Werkstätte um einen 700 m2 großen Neubau erweitert.

Nach Kriegsende werden vor allem für den Wiederaufbau notwendige LKW's repariert. Schließlich werden auch industriell KFZ-Ersatzteile gefertigt. Nach einem weiteren 300 m2 großen Anbau spezialisierte sich die Firma ab 1948 auf die Fertigung von Blei-Bronze-Kurbelwellenlager. Die Belegschaft erreichte zu diesem Zeitpunkt bereits einen Stand von 70 Personen.

Als schließlich 1950 die Auftragslage für Automobil-Reparaturen und -Ersatzteile einbrach, begann man über den Bau von Motorrädern nachzudenken. Im armen Nachkriegs-Österreich bestand Anfang der fünfziger Jahre großer Bedarf an günstigen, robusten und einfachen Motorrädern.

Der Name KTM

Bereits 1951 begann man schließlich mit der Entwicklung eines eigenen Motorrades mit einem 98ccm Rotax-Motor. Am 15. März 1953 wurde schließlich der Prototyp mit der Bezeichnung "R 100", die so genannte "Moser-KTM", auf der Frühjahrsmesse in Wien vorgestellt. Hier trat zum ersten Mal der Name KTM als Motorrad-Marke in Erscheinung.

1955 stieg dann der 1920 in Salzburg geborene Ernst Kronreif als Gesellschafter in die Firma mit ein. Ab diesem Zeitpunkt stand der Name KTM für "Kronreif Trunkenpolz Mattighofen". Dies ist die einzig belegbare Bedeutung des Firmennamens.

Zuvor wurde KTM zwar bereits als Name verwendet, die Bedeutung ist jedoch nicht ganz klar. Zum einen wird vermutet, daß der Name aus den Initialen "Kussin, Trunkenpolz und Moser" entstand. Eine andere Variante deutet das Kürzel einfach als "Kraftfahrzeuge Trunkenpolz Mattighofen".

Motorrad- und Moped-Produktion

In den Folgejahren wurde die Produktion von Leichtmotorrädern, Mopeds und Moped-Rollern immer weiter ausgebaut und die Modellpalette kontinuierlich erweitert. So entstand 1951 der weltweit erste Moped-Roller, der sogenannte "Mecky".

Bereits 1958 produzierte KTM zwanzig verschiedene Modelle, wie z.B. die "125er Grand Tourist", die "Tarzan" und die geländetaugliche "Mustang".

Zu diesem Zeitpunkt kündigte sich allerdings ein Rückgang am Zweirad-Markt an, da viele Kunden die neuen, bequemen und wetterunabhängigen Kleinwagen den offenen Leichtmotorrädern vorzogen. Dennoch hielt KTM unverdrossen an der Zweirad-Produktion fest.

Tod der Firmengründer

Zu Beginn der 60er-Jahre wird die Firma durch den überraschenden Tod der Firmengründer erschüttert.

Am 24. Mai 1960 erliegt Ernst Kronreif im Alter von nicht einmal 40 Jahren seinem Krebsleiden.

Nur zwei Jahre später, am 10. Februar 1962 stirbt schließlich Hans Trunkenpolz unerwartet an einem Herzinfarkt während eines Halbmarathons im bayrischen Altötting.

Der Sohn von Hans Trunkenpolz, Erich Trunkenpolz übernimmt schließlich die Leitung der Firma.

Beginn der Fahrradproduktion

Das Fleetwing - das erst KTM-Fahrrad
Fleetwing

1964 beauftragt eine amerikanische Firma KTM mit der Produktion eines, für damalige Verhältnisse futuristischen Fahrrades für den US-Markt. Das "Fleetwing" war somit das erste Fahrrad, das die Mattighofner Zweiradschmiede herstellte und gleichzeitig der Startschuß für die Fahrradproduktion auch für den heimischen Markt.

Während der nachfolgenden Jahre zieht die Zweirad-Krise immer weitere Kreise und schließlich muß 1988 die Moped- und Motorrollerproduktion eingestellt werden.

Aufsplittung in Einzelfirmen

1992 steht die Firma KTM vor dem Konkurs und wird in eigenständige Firmen aufgeteilt: Die KTM Sportmotorcycles GmbH (Motorrad-Produktion), die KTM Kühler GmbH (Kühler-Fertigung), KTM Werzeugbau und schließlich die KTM Fahrrad GmbH.

Im selben Jahr kauft der Fahrradgroßhändler Hermann Urkauf die Fahrrad-Sparte von KTM für einen Preis von 35 Millionen Schilling. Doch bereits 5 Jahre später steht das Unternehmen erneut vor dem Konkurs.

Carol Urkauf-Chen

Im Jahr 1997 übernimmt schließlich die Ex-Ehegattin von Hermann Urkauf, die gebürtige Taiwanesin Carol Urkauf-Chen als alleinige Besitzerin die Firma KTM Fahrrad.

Sie hatt damals bereits langjährige Erfahrungen in der Fahrradbranche als Inhaberin einer 1000 Mann starken Fahrradrahmen-Produktion in Taiwan. Die neue Firmen-Inhaberin erkannte die Probleme in der veralteten Fahrrad-Fertigung, modernisierte konsequent die Produktion und investierte in Innovation und Forschung.

Die Bemühungen der neuen Chefin zahlten sich bald aus: Jährlich steigende Umsatz- und Verkaufszahlen belegen den Erfolg der Modernisierungsmaßnahmen. Mittlerweile (2014) verkauft KTM rund 185.000 Fahrräder im Jahr, beschäftigt ca. 300 Mitarbeiter und zählt europaweit zu den Top-Ten der über 100 Fahrradmarken.

KTM E-Bikes

Machina Eight wird 2013 Testsieger im Elektro-Rad-Magazin
Testsieger 2013

Seit dem Jahr 2000 sind auch E-Bikes fester Bestandteil im Modellprogramm von KTM. Neben den "üblichen" Stadt-E-Bikes werden auch immer mehr sportliche Trekking- und Moutainbikes mit Elektroantrieb gefertigt.

Inzwischen werden rund 30 verschiedene E-Bike Modelle angeboten. Mit Verkaufszahlen von rund 35.000 Stück pro Jahr ist KTM mittlerweile einer der ganz großen E-Bike Hersteller am Markt.

Standort Mattighofen

KTM Werk in Mattighofen
KTM Werk

Nach wie vor ist Mattighofen der Produktionsstandort von KTM. Natürlich kommen die einzelnen Fahrrad-Komponenten, wie bei so gut wie allen Bike-Herstellern von Zuliefer-Firmen. Dennoch wird immer noch vieles im heimischen Werk selbst erledigt: Vor Ort werden Rahmen lackiert und beklebt, Laufräder eingespeicht und die Bikes vollständig montiert. Auch die Entwicklung von Prototypen und regelmäßige Qualitäts- und Belastungstests werden hier durchgeführt.

Zusammengebaut werden die Fahrräder in Zweier-Teams (immer ein Mann und eine Frau), also vom losen Rahmen bis zum auslieferungsfertigen Fahrrad.

Ich hatte bereits einmal die Gelegenheit eine Werksführung mitzumachen und war sehr darüber erstaunt, wieviel in der Produktion immer noch von Hand gemacht wird: Immerhin verlassen heutzutage rund 700 neue Fahrräder täglich die Produktionshallen in Mattighofen!

Quellen und Links

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