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Pannensicher!(?)

verfaßt am 4. Januar 2012 von Thomas Etzlstorfer

Nägel, Glasscherben und Streusplitt gelten seit jeher als natürlicher Feind des Fahrrad-Reifens. Nahezu jeder Radfahrer kennt und fürchtet das verdächtig zischende Geräusch und das Gefühl, wenn langsam die Luft aus dem Pneu entweicht.

In letzter Zeit jedoch bieten immer mehr Reifenhersteller so genannte "pannensichere" Reifen und somit die lang ersehnte Lösung für dieses Problem an.

Was genau diese Reifen leisten und was man von solchen Produkten erwarten kann, möchte ich in diesem Artikel kurz erklären.

Nie wieder Plattfuß?

Eins möchte ich gleich mal vorausschicken: In den ganzen Jahren als Fahrrad-Mechaniker habe ich noch keinen (Luft-)Reifen gesehen, der absolut Pannensicher wäre. Selbst der dickste Pannenschutz ist machtlos gegen einen 2 Zentimeter langen Nagel, der sich durch den Reifen bis auf die Felge bohrt.

Das bedeutet allerdings nicht, daß eine im Reifen eingearbeitete Pannenschutzschicht sinnlos wäre: Kleine Glasscherben, Steinchen oder auch z.B. Heckendornen oder kleinere Reisnägel sind oftmals zu klein oder zu weich um die Schutzschicht zu durchstoßen.

Qualitäts- und Preisunterschiede

Alleine der Aufdruck "Pannensicher" bzw. "Puncture Protection" sagt allerdings noch relativ wenig über die Qualität des Schutzes aus. Zunächst einmal gibt es verschiedene Materialien, die als Schutzschicht verwendet werden wie z.B. Kevlar oder Kautschuk. Auch die dicke der Schutzschicht und somit die Wandstärke des Reifens ist entscheidend.

Meist ist es so, daß der Pannenschutz besser wird, je teurer der Reifen ist. So kann ein einzelner Reifen schon mal € 40,- oder noch mehr kosten.

Vor- und Nachteile

Mit der Dicke des Pannenschutzes steigt meist der Rollwiderstand und auch das Gewicht des Reifens: Eine fast 1 cm dicke Kautschukschicht wird natürlich auch durch das Gewicht des Fahrers etwas zusammengedrückt und führt zu einer entsprechend größerend Aufstandsfläche des Reifens. Auch das höhere Gewicht ist, z.B. bei einem eigentlich besonders leichten, sportlichen Rad oftmals nicht ganz unerheblich. Allerdings können hochwertige Pannenschutzreifen wie z.B. die Marathon-Modelle von Schwalbe meist mit sehr hohem Reifendruck (Marathon 37-622: 6 bar Maximaldruck) gefahren werden, wodurch das höhere Gewicht nicht so stark zum Tragen kommt.

Fazit

Ich selbst verwende bei meinem Stadt- und Tourenrad Reifen mit einem etwas leichterem Pannenschutz (Schwalbe Marathon) und bin damit sehr zufrieden. Der Rollwiderstand ist immer noch relativ gering, der Preis hält sich in Grenzen (ca. € 29,-) und bis jetzt hatte ich in den letzten 2 Jahren genau ein einziges Mal einen Platten.

Reifen mit dickerem Pannenschutz (z.B. Schwalbe Marathon Plus oder Marathon Plus Tour, ca. € 35-40,-) empfehle vor allem Kunden, die vornehmlich in der Stadt unterwegs und unbedingt auf das Fahrrad angewiesen sind (Botenfahrer, Zeitungsausträger, usw.). Hier denke ich ist der höhere Preis gerechtfertigt und der hohe Rollwiderstand und das hohe Gewicht sind bei kurzen Strecken vertretbar.

Für Sporträder (MTB, TB, Rennrad) würde ich entweder auf einen Pannenschutz verzichten oder einen leichten Reifen mit dünnem Pannenschutz verwenden (z.B. Schwalbe Marathon Racer für Trekking- und Tourenräder bzw. einen Schwalbe Durano oder Durano Plus für Rennräder). Hier kommt es vor allem auf Leichtigkeit und Sportlichkeit an.

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