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26, 27.5 oder 29 Zoll?

verfaßt am 17. Oktober 2013 von Thomas Etzlstorfer

2014 streicht KTM, wie viele der großen Fahrradhersteller auch, Mountainbikes mit 26 Zoll Laufrädern beinahe vollständig aus dem Programm. Abgelöst wird die, seit mehr als 30 Jahren traditionelle MTB-Radgröße, durch die neuen 27,5 Zoll Laufräder. Neben den bereits länger erhältlichen 29 Zoll Bikes gibt es nun somit drei verschiedene Laufradgrößen für MTB's, was vor allem bei Hobby-Radlern für etwas Verwirrung sorgt.

Wie groß die Unterschiede wirklich sind und welche Vor- und Nachteile diese bieten, möchte ich in diesem Artikel erklären.

Neue Größe: 27.5 Zoll bzw. 650B
27.5 Zoll / 650B

Der Trend zu größeren Laufrädern bei Moutainbikes war in den letzten 1 bis 2 Jahren kaum zu übersehen. Die neuen 29er sind seither der Verkaufshit schlechthin. Doch die geradezu riesigen 29 Zoll Reifen bieten nicht nur Vorteile gegenüber den "alten" 26er Pneus. So bringt ein großerer Radumfang auch zusätzliches Gewicht und ein etwas trägeres Fahrverhalten mit sich.

Die neuen 27,5 Zoll Bikes sollen nun das Beste aus beiden Welten in sich vereinen und einen guten Kompromiss darstellen.

Vorteile großer Laufräder

Der Hauptvorteil von großen Laufrädern liegt vor allem beim geringeren Rollwiderstand und dem ruhigeren Verhalten beim Überfahren von Unebenheiten. Wer mit einem 29er mal über einen holprigen Waldweg gefahren ist, wird bemerken wie angenehm sich der große Radumfang auf den Fahrkomfort auswirkt. Zusätzlich bieten die großen Reifen auch mehr Aufstandsfläche und somit etwas mehr Grip.

Auf asphaltierten Straßen macht sich vor allem der geringere Rollwiderstand bemerkbar. Zwar kann der große Reifendurchmesser das meist grobe Profil der Reifen nicht ausgleichen, dennoch ist der Unterschied zu 26er Reifen mit gleichem Profil deutlich.

Nachteile großer Laufräder

Vor allem auf das Gewicht wirken sich die großen Laufräder nachteilig aus: Nicht nur das die Reifen und Felgen schwerer sind, auch der Hinterbau des Rahmens und die Federgabel muß länger sein um die Laufräder aufnehmen zu können. So wiegt z.B. ein 2013er KTM Myroon 29 Master 10,8 kg, ein KTM Myroon 26 Master dagegen nur 9,8 kg: Ein Unterschied von 1 kg ist bei einem Carbon-Hardtail doch ganz ordentlich.

Auch beim Beschleunigen und Abbremsen machen sich die schwereren Laufräder negativ bemerkbar, da die zu bewegende, rotierte Schwungmasse des Laufrades größer ist.

Ebenfalls auffällig ist die geringere Wendigkeit, was vor allem auf engen Passagen, z.B. auf längeren Single-Trails zum Tragen kommt.

Unterschiede in der Praxis

Felgen im Vergleich
Felgenvergleich

Wer einmal die Felgendurchmesser der drei Größen vergleicht, wird bemerken, das die Bezeichnung 27,5 eher für etwas vergrößerte 26er Laufräder steht und nicht das genaue Mittelmaß zwischen 26 und 29 Zoll zu bezeichnet. Ein 26er Reifen hat einen Innendurchmesser von 559 mm, ein 27,5er 584 mm und ein 29er 622 mm. Der Unterschied zwischen 26 und 27,5 beträgt also 25 mm, der zwischen 27,5 und 29 aber 38 mm.

Umsteiger von 26 auf 27,5 Zoll werden also eher geringe Unterschiede bemerken. Auch wirkt sich der Schritt von 26 auf 27,5 Zoll nur minimal auf das Gewicht aus. Und auch optisch erkennt man ein 27,5 Zoll MTB erst auf den zweiten Blick.

Reifendimensionen

Wer sich schon länger mit Fahrrädern beschäftigt, wird bemerken, das die angeblich neuen Reifendimensionen gar nicht so neu sind: An 29er MTBs werden ganz normale 28 Zoll (ETRTO xx-622) Felgen verbaut, wie sie auch bei Trekking-Bikes verwendung finden.

27,5er (ETRTO xx-584) gab's schon früher, z.B. beim alten Puch Clubman. Damals wurde die Dimension mit 26 x XX x 1 1/2 B oder auch mit 650B bezeichnet, was sich heute oft in den Modellnamen wiederspiegelt (z.B. KTM Race Action 650).

Neu ist allerdings, daß entsprechend dicke Reifen auf diese Felgen montiert werden, was natürlich zu einem größeren Außenumfang der Reifen und den entsprechend neuen Bezeichnungen führt (also 27,5 statt 26 Zoll und 29 statt 28 Zoll).

Fazit

Welche Laufradgröße kann nun für welchen Typ von Radler empfohlen werden?

29er sprechen eher den Offroad-Tourenfahrer an, der sich oft abseits befestigter Straßen bewegt. Auch groß gewachsene Personen profitieren von den großen Laufrädern.

27,5er werden, wie bereits erwähnt, die "alten" 26er als "echte" Offroad-Bikes ablösen. Wer also größtenteils im Gelände und auch gerne mal auf sehr unwegsamen Trails unterwegs ist, wird die Agilität und das geringe Gewicht eines 27,5 Zoll Bikes zu schätzen wissen. Zusätzlich bietet der geringfügig größere Radumfang etwas mehr Komfort und Grip im Vergleich zum 26er.

Wer allerdings hauptsächlich auf asphaltierten Straßen unterwegs ist und höchstens mal eine Abkürzung über einen Feldweg nimmt, dem würde ich trotzdem zu einem 28 Zoll Trekkingbike raten. Diese sind mit etwas schmäleren Reifen und glatterem Profil ausgestattet, was auf Asphalt ein klarer Vorteil gegenüber den breiten und groben 29er Pneus ist. Schließlich sind auch 29er MTB's vornehmlich für den Einsatz im Gelände ausgelegt.

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